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Rechtsanwälte Germersheim / Pfalz Dr. Plewa Dr. Schliecker - Pferderecht, Verkehrsrecht
DEFAULT : Das Betreten einer Weide mit fremden Pferden, eine schuldhafte Nachlässigkeit?
31.03.2014 18:15 (2506 x gelesen)

Das Betreten einer Weide mit fremden Pferden, eine schuldhafte Nachlässigkeit?

Gerade bei der Tierhalterhaftung spielt das Mitverschulden des Geschädigten häufig eine große Rolle. Schließlich haftet der Halter eines „Luxustieres“ auch dann, wenn er auf das den Schaden verursachende Geschehen überhaupt keinen Einfluss hat. Das Eigenverschulden des Geschädigten kann im Einzelfall, wie dieser Beitrag zeigt, den Verlust von Schadensersatzansprüchen zur Folge haben.


Der Fall

Das Oberlandesgericht Koblenz (OLG) hatte folgenden Sachverhalt zu beurteilen:

Der Kläger des Rechtsstreites hatte sein Pferd von einer Weide zu holen. Ihm standen dafür zwei Wege zur Verfügung. Einer, nämlich der kürzere und von anderen Einstellern ebenso regelmäßig benutzte Weg, führte quer über eine Weide, auf der Pferde anderer Pferdeeinsteller gehalten wurden. Über einen anderen, allerdings weiteren Weg, hätte der Kläger ebenfalls zu seinem Pferd kommen können.

Er hatte die Abkürzung gewählt, war dann in der Mitte der Weide liegend mit schwer wiegenden Verletzungen aufgefunden worden. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass die vier auf der Weide gehaltenen Pferde die Verletzungen des Klägers verursacht hatten, auch wenn der Schadenshergang von niemandem beobachtet worden war und nicht im Detail aufgeklärt werden konnte.

Der Kläger stützte deswegen seine Klage auf § 833 BGB. Nach dessen Wortlaut stand ihm ein Schadensersatzanspruch zu, weil es sich bei den vier Pferden jeweils um „Luxustiere“ handelte, für die der Pferdehalter ohne eigenes Verschulden einzustehen hat. Im Gesetz heißt es: Wird durch ein Tier - gemeint ist damit die Realisierung der vom Pferd ausgehenden Tiergefahr - ein Schaden angerichtet, hat dafür der Tierhalter einzustehen.


Das Eigenverschulden

Das Gericht ging davon aus, dass grundsätzlich die Voraussetzungen der Tierhalterhaftung gegeben waren. Dennoch wurde im Berufungsverfahren die Klage abgewiesen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Verletzungen des Klägers beim Überqueren der Koppel durch eines oder mehrere der dort befindlichen Pferde verursacht worden waren. Es sei nicht erheblich, welches Pferd den Schaden herbeigeführt habe. Es sei nämlich davon auszugehen, dass die vier seit längerer Zeit in der Herde zusammengefassten Pferde alle gemeinsam den Kläger quasi überrannt hätten. Insoweit komme dem Kläger zudem eine Beweiserleichterung zu. Wenn mehrere Pferde an einem Schadensereignis beteiligt sind, komme es gemäß § 830 nicht darauf an, welches Pferd welchen konkreten Schadensbeitrag geleistet habe.

Das OLG sah aber - wie schon das Landgericht in erster Instanz - ein derart hohes Mitverschulden beim Kläger, dass die typische Tiergefahr als Ursache dahinter völlig zurücktrete. Die zum Schadenseintritt führende Handlung des Klägers sei darin zu sehen, dass er den abgetrennten Teil der Weide, auf welchem sich die fremden Pferde befunden hätten, ohne erforderliche Sicherungsmaßnahme überquert habe. Einem erfahrenen Reiter wie dem Kläger müsste die damit verbundene Gefährdung bewusst gewesen sein. Zu dieser Ansicht kam das Gericht nach Einholung eines Sachverständigengutachtens.

Die Sachverständige hatte deutlich gemacht, dass sie niemals über eine Weide gehen würde, auf der Pferde stehen, die sie nicht kenne, weil man das Verhalten und die Reaktionen fremder Pferde nicht einschätzen könne.

Das Gericht meinte auch, dass das Verhalten des Klägers insofern zu unterscheiden sei von dem Fall, in welchem der Pferdehalter sein eigenes Pferd aus einer Gruppe von mehreren Pferde von der Weide hole. Dann nämlich würde das eigene Pferd auch die fremden Pferde kennen. Ungeachtet dessen müsste man beim Herausholen des eigenen Pferdes die anderen aufmerksam beobachten, sich möglichst nah am Zaun halten und erforderlichenfalls auch eine Gerte mitnehmen.

Das Gericht ließ auch das Argument nicht gelten, dass auch andere Pferdeeinsteller denselben Weg gewählt hätten, um ihre Pferde von der anderen Weide zu holen. Es seien gerade „Routine und Gewohnheit im Umgang mit dem Pferd“, die zu einem „erhöhten Unfallrisiko“ führten, so die Gutachterin.

Das aber entschuldige das massive Fehlverhalten des Klägers nicht, meinte das OLG. Weit verbreitete Nachlässigkeiten würden dadurch begünstigt, dass Pferde als Fluchttiere regelmäßig sich von einem die Weide betretenden Fremden gerade abwenden würden. Nur in seltenen Ausnahmefällen - wie dem hier zu beurteilenden Sachverhalt - komme es zu einem Unfall. Die Seltenheit eines Schadensereignisses als solches rechtfertige aber nicht, den allgemeinen Sorgfaltsmaßstab für das Überqueren einer Weide mit fremden Tieren zu reduzieren.


Fazit

Es ist oft zu beobachten, dass gerade „erfahrene Pferdeleute“ Grundregeln zur Unfallvermeidung nicht beachten. Werden sie dabei von einem fremden Pferd verletzt, können sie mit einem Schadensersatzanspruch möglicherweise scheitern, weil die Tierhalterhaftung hinter dem Eigenverschulden zurücktritt.

Dr. Dietrich Plewa
Rechtsanwalt


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