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Rechtsanwälte Germersheim / Pfalz Dr. Plewa Dr. Schliecker - Pferderecht, Verkehrsrecht
DEFAULT : Dressurpferd mit Ataxie
27.08.2015 10:51 (1678 x gelesen)

Dressurpferd mit Ataxie?

Dressurpferde oder solche, die es werden sollen, sind oft schon im jungen Alter teuer. Gerade dann ist die Enttäuschung groß, wenn sich nach Übergabe herausstellt, dass einer erfolgreichen Turnier-karriere Taktstörungen in einer Grundgangart im Wege stehen.



Passgang als Mangel?

Die Klägerin eines beim Landgericht Darmstadt (LG) geführten Rechts-streits hatte die Videoaufzeichnung eines Pferdes gesehen, das als Nachwuchsdressurpferd zum Kauf angeboten worden war. Sie hatte sich nach Besichtigung und reiterlicher Erprobung für einen stattlichen Kauf-preis zum Kauf entschlossen. Die tierärztliche Kaufuntersuchung hatte keinen erheblichen Befund ergeben.

Nach Übergabe jedoch stellte sie fest, dass das Pferd eine notorische Neigung zum Passgang hatte, der im Schritt geforderte 4-Takt also nicht gegeben war. Sie verlangte im Rahmen der Nacherfüllung vom Verkäufer Beseitigung dieses „Mangels“. Zu einer Einigung kam es nicht. Eine er-gänzende Untersuchung ergab dann – auch innerhalb von 6 Monaten ab Übergabe des Pferdes – das Vorhandensein einer Ataxie ersten bis zwei-ten Grades.


Die Gutachtermeinung:

Das Gericht schaltete einen Sachverständigen ein, nachdem der Beklag-te bestritten hatte, dass das Pferd schon bei Übergabe oder davor den Passgang zeigt und an einer Ataxie gelitten hatte. Der vom Gericht be-auftragte Sachverständige bestätigte das Vorhandensein der Symptome einer Ataxie, weil er Störungen im Bewegungsablauf feststellte, auch die Neigung zum Pass. Der Gutachter führte aus, Pferde mit Ataxie zeigten einen unsicheren Gang, überwiegend in der Hinterhand. Plötzliches An-halten aus dem Schritt oder Trapp bereite erhebliche Schwierigkeiten. Außerdem wehrten sich solche Pferde oftmals beim Rückwärtsrichten. Gerade diese Bewegungsabläufe seien aber – so das LG – beim Dres-surreiten gefragt. Einschränkungen führten zu erheblichen Punktabzügen, weshalb ein Pferd mit Ataxie und/oder Passgang für den Dressursport ungeeignet sei.

Der Gutachter hatte übrigens auf der Videoaufzeichnung, die vor dem Kauf angefertigt wurde, bereits die Neigung zum Passgang erkannt. Da-ran knüpfte der Beklagte den Einwand an, die Käuferin habe dann ja ge-wusst oder zumindest wissen müssen, dass das Pferd diese Bewe-gungsstörung aufweise. Das ließ das Gericht nicht gelten, weil der Be-klagte andererseits ja bestritten hatte, dass das Pferd überhaupt an einer Ataxie litt oder auch einen Passgang zeige. Ansonsten müsse man da-von ausgehen, dass auch der Beklagte von den Mängeln gewusst habe. Dann aber habe er arglistig gehandelt.

Der Privatgutachter:

Die Vorlage eines privaten Gutachtens nützte dem Beklagten letztlich nichts. Der Gutachter hatte bestätigt, dass auf der vor dem Kauf angefer-tigten Videoaufzeichnung die Taktstörungen zu erkennen seien, hatte lediglich versucht, die mit dem jungen Alter des Pferdes und reiterlicher Einwirkung zu erklären. Davon ließ sich das LG jedoch nicht überzeugen.


Der Rücktritt:

Bzgl. der Ataxie war dem Beklagten eine Frist zur Nacherfüllung nicht zu setzen, weil das Gericht davon ausging, dass dieser Mangel zumindest nicht behebbar sei. Daher wurde letztlich der Beklagte verurteilt, das Pferd zurückzunehmen, den Kaufpreis zurückzuzahlen und die notwendi-gen Aufwendungen für die Unterhaltung des Pferdes bis zur Abholung zu erstatten.


Fazit:

Es versteht sich letztlich von selbst, dass sowohl eine notorische Nei-gung zum Passgang als auch erst recht eine Ataxie mit der Folge gestör-ten Bewegungsablaufes gerade für ein Dressurpferd einen Sachmangel darstellen.

Manchmal wird es nicht einfach sein, das Vorhandensein dieser Mängel zum Zeitpunkt des Gefahrüberganges nachzuweisen. Für den Käufer erweisen sich dann Videoaufzeichnungen als sehr hilfreich, die schon beim Ausprobieren angefertigt wurden.

Dr. Plewa / Dr. Schliecker
Rechtsanwälte


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