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Rechtsanwälte Germersheim / Pfalz Dr. Plewa Dr. Schliecker - Pferderecht, Verkehrsrecht
DEFAULT : Tierhalterhaftung
09.05.2016 11:22 (1291 x gelesen)

Tierhalterhaftung

Die Beweislast liegt beim Geschädigten

 

Wird ein Reiter von einem fremden Pferd abgeworfen, kann er Schadensersatzansprüche gegenüber dem Tierhalter haben. Er muss aber den Beweis führen, dass die vom Pferd ausgehende „Tiergefahr“ ursächlich für den Schaden wurde.


Der Fall

Schon wiederholt bin ich in den Rechtskundebeiträgen auf Urteile zur Tierhalterhaftung eingegangen. Schließlich sind solche Streitigkeiten häufig, zumal gerade das Haftungsrisiko des Eigentümers eines aus Liebhaberei gehaltenen Pferdes sehr hoch ist. Er hat für jeden Schaden ohne irgendein eigenes Verschulden einzustehen, den sein Pferd anrichtet. Erforderlich ist nur, dass der Schaden auf die „Realisierung der Tiergefahr“ zurückzuführen ist.

 

Die Tiergefahr wirkt sich geradezu typischerweise aus, wenn ein Pferd buckelt oder durchgeht und dadurch einen Reiter abwirft. Dass dennoch der verletzte Reiter nicht automatisch einen Schadensersatzanspruch gegenüber dem Halter des Pferdes durchsetzen kann, zeigt ein vom Oberlandesgericht Hamm (OLG) entschiedener Fall.


Der Unfall

Die Klägerin hatte mit einem vom Beklagten gehaltenen Pferd einen Ausritt unternommen. Sie erlitt schwere Kopfverletzungen bei einem Sturz, an den sie keine konkrete eigene Erinnerung hatte. Sie stützte ihre Klage auf die Behauptung, das Pferd habe unerwartet gescheut, sei dann unkontrolliert durchgegangen. Sie sei vom Pferd gestürzt und habe sich die Verletzungen an einem Ast oder Baumstamm zugezogen.


Wer muss was beweisen?

Die Klägerin hatte in dem Prozess den Beweis zu erbringen, dass sich die Tiergefahr realisiert und sie tatsächlich dadurch zu Schaden gekommen war. Diesen Beweis hat sie letztlich nicht führen können. Zu dem Ergebnis war in 1. Instanz schon das Landgericht Bielefeld (LG) gelangt. Das OLG hob dann hervor, dass nicht jeder Sturz eines Reiters auf ein tierisches Verhalten zurückzuführen sei. Einen Sturz kann auch der Reiter selbst verursachen. Es könnte beispielsweise sein, dass der Reiter einen Kreislaufkollaps erleide, schlicht das Gleichgewicht verliere oder aber sein Sturz auf fehlerhafte reiterliche Einwirkung zurückzuführen ist.

 

Das OLG meinte, dass es keine Beweisvermutung in die Richtung gäbe, dass der Sturz eines Reiters immer auf ein Verhalten des Pferdes zurückzuführen sei. Aus dem Verletzungsbild der Klägerin sei nicht abzuleiten, wie es zu dem Sturz gekommen sei. Die Klägerin könne vielmehr unabhängig vom Verhalten des Pferdes an einen Ast oder Baum geraten oder von einem herabfallenden Ast getroffen worden sein.


Fazit

Der Reiter, der vom Pferd stürzt, muss beweisen, dass das unberechenbare Verhalten des Pferdes ursächlich geworden ist, um einen Schadensersatzanspruch gegenüber dem Halter durchsetzen zu können. Er wird immer dann nahezu unüberwindbare Beweisschwierigkeiten haben, wenn es keine Unfallzeugen gibt und er selbst sich nicht konkret an den Schadenshergang erinnern kann. Allein die Tatsache, dass ein Reiter vom Pferd fällt, lässt jedenfalls noch nicht den Rückschluss zu, dass sich die von dem Pferd ausgehende Tiergefahr realisiert hat.

Dr. Plewa / Dr. Schliecker
Rechtsanwälte


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