*
Menu1 Responsive
blockHeaderEditIcon
Head1
blockHeaderEditIcon
Rechtsanwälte Germersheim / Pfalz Dr. Plewa Dr. Schliecker - Pferderecht, Verkehrsrecht
DEFAULT : Pferdeeinstellungsvertrag: Weidegang reine Gefälligkeit?
15.12.2016 15:40 (810 x gelesen)

PFERDEEINSTELLUNGSVERTRAG: Weidegang reine Gefälligkeit?

Viele Betreiber von Pferde-Pensionsställen bieten die Weidenutzung für die eingestellten Pferde an, ohne diese Leistung gesondert zu be-rechnen. Dabei wird oftmals das spezielle Haftungsrisiko übersehen.



Haftungsrisiko Weidegang

Der Pferdeeinstellungsvertrag begründet für den Betreiber eines Pfer-de-Pensionsstalles viele Haftungsrisiken. Es werden hohe Anforderun-gen an die Sorgfalt gestellt, mit der vom Stallinhaber dafür gesorgt werden muss, dass Schäden am eingestellten Pferd vermieden wer-den.

Heute ist es – erfreulicherweise – in vielen Pferde-Pensionsbetrieben üblich, dass auch Turnierpferden Weidegang gegönnt wird. Nicht sel-ten wird vom Stallinhaber auch noch das Herausführen auf die Weide oder das Hereinholen des eingestellten Pferdes übernommen, ohne dass er diese Leistungen gesondert in Rechnung stellt.


Reine Gefälligkeit?

In einem vom Landgericht Münster (LG) entschiedenen Fall hatte sich das Pferd nach dem Hereinholen von der Weide wegen einer nicht ausreichend stabilen Anbindevorrichtung so schwere Verletzungen zugezogen, dass es eingeschläfert werden musste. Der Stallinhaber verteidigte sich gegen die Schadensersatzforderung im Prozess mit dem Argument, er hafte nicht, weil die Weidenutzung eine reine Gefäl-ligkeit gewesen sei.

Das Gericht ließ dieses Argument nicht gelten. Wenn regelmäßig über einen längeren Zeitraum die Weidehaltung angeboten werde auf der Grundlage eines mündlichen Pferdeeinstellungsvertrages, so müsse davon ausgegangen werden, dass auch der Weidegang, das Heraus-bringen auf die Weide und das Hereinholen in den Stall vom Leis-tungsumfang umfasst sei. Der Stallinhaber hafte daher, wenn im Zu-sammenhang mit dieser Leistung aufgrund einer Pflichtverletzung ein Schaden entstehe.


Die Anbindevorrichtung

Das Pferd war in dem geschilderten Fall an einem Anbindepfahl von etwa 1,30 m Höhe angebunden worden, der mit ca. 5 cm in den Unter-grund (Magerbeton) reichenden Schrauben befestigt war. Das Pferd hatte sich erschrocken, den Anbindepfahl aus seiner Verankerung ge-rissen und dann panikartig die Flucht ergriffen. Der gegen die Glied-maßen schlagende Pfahl hatte so schwerwiegende Verletzungen ver-ursacht, dass das Pferd eingeschläfert werden musste.

Das LG sah in der technischen Ausgestaltung des Pfahls eine Pflicht-verletzung. Eine Anbindevorrichtung müsse so gestaltet sein, dass sie auch einer Panikattacke des Pferdes standhalte. Dem dürfte durchaus zuzustimmen sein. Schließlich würde eher zu erwarten sein, dass ent-weder der Anbindestrick reißt oder aber das Halfter. Es wäre dann wohl auch mit geringeren Unfallfolgen zu rechnen.

Bemerkenswert ist die Begründung des Gerichts. In dem Urteil heißt es:

„Wesentlich ist der Schutz Dritter vor der Gefahr eines panikartig davonlaufenden Pferdes und nicht der Schutz des Pferdes vor ei-genen Verletzungen“.

Es sei deswegen auch nicht entscheidend, dass der am Führstrick  angebrachte Panikhaken standgehalten und damit seinen Zweck erfüllt habe. Die Verwendung eines zum Anbinden nicht geeigneten Pfahls stelle eine Verletzung des Pensionsvertrages und somit eine haftungs-begründende Handlung des Stallinhabers dar. Die Schadensersatzkla-ge wurde daher dem Grunde nach für gerechtfertigt gehalten.


Fazit:

Der geschilderte Fall bestätigt erneut das erhebliche Haftungsrisiko des Stallinhabers für Schäden am eingestellten Pferd. Das Haftungsri-siko ist durch die übliche Betriebshaftpflichtversicherung nicht abge-deckt. Der Stallinhaber tut deswegen gut daran, soweit als möglich seine Haftung zu beschränken und außerdem keine Leistung zu er-bringen, für die er nicht einmal eine angemessene Vergütung erhält.

Dr. Plewa/Dr. Schliecker
Rechtsanwälte/Fachanwälte


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
Die hier veröffentlichten Artikel und Kommentare stehen uneingeschränkt im alleinigen Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors.
Copyright2
blockHeaderEditIcon

Start | Die Anwälte | Pferderecht | Medizinrecht | Verkehrsrecht | Formulare/Downloads | Aktuelles |

© 2018 Rechtsanwälte Dr. Plewa & Dr. Schliecker - Ludwig-Erhard-Str. 4 - 76726 Germersheim / Pfalz
Tel. 07274 / 94 74-0 - Fax 07274 / 94 74-54 - Email: kanzlei (at) plewa-schliecker.de

Kontakt | Impressum | Datenschutz |Sitemap
Webmail 

Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail